Die Zahngesundheit wird bei Haustieren oft unterschätzt, dabei sind Zahnprobleme eine der häufigsten Gesundheitsstörungen bei Hunden und Katzen. Studien zeigen, dass bis zu 80% aller Hunde und Katzen über drei Jahren an irgendeiner Form von Zahnerkrankung leiden. In diesem ausführlichen Artikel erfahren Sie alles über die Zahngesundheit Ihrer Haustiere und wie Sie Problemen vorbeugen können.
Warum ist Zahngesundheit so wichtig?
Gesunde Zähne sind nicht nur für die Nahrungsaufnahme wichtig, sondern haben auch weitreichende Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit. Zahnerkrankungen können zu erheblichen Schmerzen führen, die Lebensqualität beeinträchtigen und im schlimmsten Fall sogar andere Organe schädigen.
Bakterien aus entzündeten Zahnfleischtaschen können in die Blutbahn gelangen und zu Herz-, Leber- und Nierenproblemen führen. Chronische Zahnschmerzen beeinflussen das Verhalten und können zu Aggressivität, Appetitlosigkeit und Depression führen. Viele Tiere zeigen ihr Leiden jedoch nicht offen, sondern passen ihr Verhalten an – ein evolutionärer Schutzmechanismus.
Häufige Zahnprobleme bei Hunden und Katzen
Zahnstein
Zahnstein entsteht durch die Mineralisierung von Zahnbelag (Plaque). Plaque bildet sich ständig auf den Zähnen und besteht aus Bakterien, Speichelbestandteilen und Futterresten. Ohne regelmäßige Reinigung verhärtet der Belag innerhalb von 24-48 Stunden zu Zahnstein.
Zahnstein ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Er bietet eine raue Oberfläche, auf der sich weitere Bakterien ansiedeln können, und reizt das Zahnfleisch. Dies führt zu Entzündungen und kann langfristig zu Zahnverlust führen.
Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
Gingivitis ist die Entzündung des Zahnfleisches, verursacht durch bakterielle Plaque. Anzeichen sind:
- Rotes, geschwollenes Zahnfleisch
- Zahnfleischbluten
- Übler Mundgeruch
- Vermehrter Speichelfluss
- Zurückziehen des Zahnfleisches
Im frühen Stadium ist Gingivitis reversibel, wenn die Plaque entfernt wird. Unbehandelt kann sie jedoch zu Parodontitis fortschreiten.
Parodontitis
Parodontitis ist eine fortgeschrittene Form der Zahnerkrankung, bei der nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch der Zahnhalteapparat betroffen ist. Der Knochen um die Zahnwurzeln wird abgebaut, was zu lockeren Zähnen und schließlich zu Zahnverlust führt.
Parodontitis ist irreversibel und kann nur gestoppt, aber nicht rückgängig gemacht werden. Sie verursacht erhebliche Schmerzen und kann zu eitrigen Abszessen führen.
FORL bei Katzen
FORL (Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen) ist eine schmerzhafte Zahnerkrankung, die besonders Katzen betrifft. Dabei werden Zahnhartsubstanzen vom eigenen Körper abgebaut. Die Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber genetische Faktoren und Entzündungen spielen eine Rolle.
FORL beginnt oft unterhalb des Zahnfleischrandes und ist daher schwer zu erkennen. Betroffene Zähne müssen in der Regel extrahiert werden, da sie starke Schmerzen verursachen.
Anzeichen von Zahnproblemen
Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Starker Mundgeruch
- Sichtbarer Zahnstein (gelbliche bis braune Ablagerungen)
- Rotes oder blutendes Zahnfleisch
- Vermehrtes Speicheln oder Sabbern
- Schwierigkeiten beim Fressen oder Kauen
- Bevorzugung weicher Nahrung
- Pfoten am Maul reiben
- Verhaltensänderungen (Reizbarkeit, Rückzug)
- Lockere oder fehlende Zähne
- Nasenausfluss (bei Zahnwurzelentzündungen)
Präventive Zahnpflege zu Hause
Zähneputzen
Die effektivste Methode zur Vorbeugung von Zahnproblemen ist das regelmäßige Zähneputzen. Idealerweise sollten die Zähne täglich geputzt werden, mindestens jedoch 2-3 mal pro Woche.
Tipp für den Einstieg
Beginnen Sie langsam und positiv. Lassen Sie Ihr Tier zunächst die Zahnpasta (speziell für Tiere!) probieren. Gewöhnen Sie es dann schrittweise an die Berührung von Maul und Zähnen. Belohnen Sie jedes ruhige Verhalten. Der gesamte Gewöhnungsprozess kann mehrere Wochen dauern.
Anleitung zum Zähneputzen:
- Verwenden Sie eine spezielle Tierzahnbürste oder Fingerzahnbürste
- Nutzen Sie ausschließlich Tierzahnpasta (Menschenzahnpasta ist giftig für Tiere)
- Heben Sie die Lefze vorsichtig an
- Putzen Sie in kreisenden Bewegungen, besonders am Zahnfleischrand
- Konzentrieren Sie sich auf die Außenflächen (Innenflächen reinigt die Zunge teilweise)
- Belohnen Sie Ihr Tier nach jeder Putzeinheit
Zahnpflegesnacks und Kauartikel
Spezielle Zahnpflegesnacks können ergänzend zum Zähneputzen helfen. Achten Sie auf:
- VOHC-Siegel (Veterinary Oral Health Council) für nachgewiesene Wirksamkeit
- Angemessene Größe für Ihr Tier
- Kalorienzahl (bei übergewichtigen Tieren von der Tagesration abziehen)
- Keine Produkte, die splittern können (Knochen, Geweih)
Für Hunde eignen sich auch rohe Karotten oder spezielle Kauwurzeln. Bei Katzen sind zahnreinigende Trockenfutter oder spezielle Dentalsticks hilfreich.
Zahnpflege-Spielzeuge
Es gibt spezielle Spielzeuge mit strukturierten Oberflächen, die bei der mechanischen Reinigung der Zähne helfen. Seile und Gummispielzeuge mit Noppen sind besonders effektiv.
Trinkwasserzusätze
Spezielle Zusätze für das Trinkwasser können Plaque reduzieren und Mundgeruch bekämpfen. Sie ersetzen nicht das Zähneputzen, können aber unterstützend wirken. Achten Sie darauf, dass Ihr Tier das Wasser weiterhin gerne trinkt.
Professionelle Zahnreinigung
Trotz guter häuslicher Pflege ist regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt notwendig. Diese wird unter Vollnarkose durchgeführt, um:
- Alle Zahnoberflächen gründlich zu reinigen, auch unter dem Zahnfleischrand
- Zahnstein mit Ultraschall zu entfernen
- Zahnfleischtaschen zu säubern
- Jeden Zahn einzeln zu untersuchen
- Röntgenaufnahmen zur Beurteilung der Zahnwurzeln anzufertigen
- Notwendige Extraktionen durchzuführen
- Die Zähne zu polieren (glatte Oberflächen erschweren neue Plaquebildung)
Wie oft ist eine Zahnreinigung nötig?
Die Häufigkeit hängt von mehreren Faktoren ab:
- Rasse: Kleine Hunde und Kurzkopf-Rassen neigen stärker zu Zahnproblemen
- Alter: Ältere Tiere benötigen häufigere Reinigungen
- Genetik: Manche Tiere haben eine höhere Veranlagung
- Ernährung: Ausschließlich Nassfutter fördert schnellere Zahnsteinbildung
- Häusliche Pflege: Regelmäßiges Zähneputzen verlängert die Intervalle
Im Durchschnitt ist eine professionelle Zahnreinigung alle 1-2 Jahre empfehlenswert, bei Problemfällen auch häufiger.
Ernährung und Zahngesundheit
Die Ernährung hat einen Einfluss auf die Zahngesundheit:
- Trockenfutter: Kann durch den Abriebeffekt Zahnbelag reduzieren, ersetzt aber nicht das Zähneputzen
- Spezielle Dentaldiäten: Größere Kibbles und spezielle Texturen fördern das Kauen und die Reinigung
- Rohfütterung: Rohe, fleischige Knochen können zur Zahnreinigung beitragen, bergen aber auch Risiken (Zahnfrakturen, Verstopfung)
- Vermeidung von Zucker: Süße Leckerlis fördern Kariesbildung
Besondere Aspekte bei Katzen
Katzen zeigen Zahnschmerzen oft noch subtiler als Hunde. Sie hören selten komplett auf zu fressen, sondern ändern ihr Fressverhalten:
- Bevorzugung einer Kieferseite
- Fallenlassen von Futter
- Meiden von Trockenfutter
- Langsameres Fressen
- Zurückziehen während des Fressens
FORL ist bei Katzen weit verbreitet und extrem schmerzhaft. Regelmäßige Zahnkontrollen sind daher besonders wichtig.
Kosten und Nutzen
Zahnbehandlungen unter Narkose sind mit Kosten verbunden, die je nach Umfang variieren. Doch präventive Pflege und frühzeitige Behandlung sind deutlich günstiger als fortgeschrittene Zahnerkrankungen, die umfangreiche Extraktionen und Antibiotikatherapien erfordern.
Darüber hinaus ersparen Sie Ihrem Tier unnötiges Leiden. Chronische Zahnschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich, auch wenn das Tier weiterhin frisst.
Fazit
Zahngesundheit ist ein wichtiger, aber oft vernachlässigter Aspekt der Tiergesundheit. Mit regelmäßiger häuslicher Pflege, jährlichen Zahnkontrollen beim Tierarzt und bei Bedarf professionellen Zahnreinigungen können Sie die Zähne Ihres Haustieres gesund erhalten.
Bei Vetoria Haven bieten wir umfassende zahnmedizinische Leistungen an, von der Beratung zur häuslichen Zahnpflege über Vorsorgeuntersuchungen bis hin zu professionellen Zahnreinigungen und komplexen Zahnbehandlungen. Unser erfahrenes Team verwendet moderne Ausrüstung und Anästhesieverfahren für maximale Sicherheit.
Vereinbaren Sie noch heute einen Termin für eine Zahnkontrolle. Gesunde Zähne bedeuten ein gesünderes, glücklicheres Leben für Ihr Haustier!